Verlassene und verlorene Fischereiausrüstung, sogenannte „Geisterausrüstung“, fängt und tötet Meereslebewesen noch lange nach ihrer Entsorgung. Untersuchungen in norwegischen Gewässern zeigen, dass diese zurückgelassenen Netze und Reusen jährlich Hunderte Tonnen Fisch und Krabben fangen und gleichzeitig gefährdete Arten wie Delfine und Robben bedrohen. Eine Möglichkeit, dieses Risiko zu verringern, ist der Einsatz biologisch abbaubarer Fluchtvorrichtungen in Krabbenreusen, die sich bei der Reduzierung dieses unbeabsichtigten Fangs als wirksam erwiesen haben. In ähnlicher Weise haben Wissenschaftler im französischen Teil des Golfs von Biskaya untersucht, wie bestimmte Fangrouten, bei denen stationäre Netze zum Einsatz kommen, mit einem starken Anstieg der Sterblichkeit bei Kurzschnabel-Gewöhnlichen Delfinen zusammenhängen. Wo und wie die Netze ausgebracht werden, kann daher das Risiko für Meerestiere drastisch erhöhen oder verringern. Im Gegensatz dazu zeigen Bewirtschaftungsstrategien wie das 65-tägige Fischereiverbot in Bangladesch, dass saisonale Schonzeiten Fischbestände erfolgreich stärken können; allerdings lösen sie oft einen Anstieg destruktiver, illegaler Praktiken wie das Strandwadenfischen aus, bei dem Jungfische gefangen werden und die langfristige Nachhaltigkeit untergraben wird, sofern die lokalen Gemeinschaften nicht aktiv in die Durchsetzung einbezogen werden. Mit Blick auf die Zukunft warnen Modelle zur tropischen Küste Brasiliens davor, dass die Kombination aus steigenden Meerestemperaturen und zunehmendem Fischereidruck den Zusammenbruch der Nahrungsnetze zu verursachen droht, indem große Raubtiere verdrängt und kleinere Arten begünstigt werden. Dies zeigt, dass der Schutz der Meeresökosysteme dringende Maßnahmen sowohl im Bereich des Klimawandels als auch bei der Festlegung nachhaltiger Fangquoten erfordert, um die Ernährungssicherheit für Millionen von Menschen zu gewährleisten. Wenn Sie ein besseres Verständnis der Fischereiindustrie und ihrer Mechanismen erlangen möchten, sollten Sie sich den Dokumentarfilm „Seaspiracy“ ansehen.
Quelle:
- https://doi.org/10.1016/j.fishres.2025.107599
- https://doi.org/10.1016/j.fishres.2024.107119
- https://doi.org/10.1016/j.marenvres.2024.106909